Dem deutschen Einzelhandel fehlen die Kunden. Laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter rund 600 Händlern, vorgestellt Mitte Juli 2026, nennen 79 Prozent der Händler die Kaufzurückhaltung als größtes Problem, knapp 80 Prozent der Einzelhändler sagen, dass ihre Kundenfrequenz in den vergangenen zwei Jahren gesunken ist. Bei 63 Prozent hat sich die Geschäftslage im ersten Halbjahr verschlechtert, im Vorjahr waren es 51 Prozent. Die Sparquote sei hoch, sagt HDE-Präsident Alexander von Preen, weil die Menschen nicht an die Zukunft glauben. Die Kauflaune der Verbraucher liegt nach Angaben des Verbands auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns.
Die amtlichen Zahlen passen dazu. Bereinigt um Preissteigerungen lag der Umsatz im Einzelhandel im August 2026 laut Statistischem Bundesamt 0,4 Prozent unter dem Vorjahresmonat, ohne Lebensmittel 0,8 Prozent. Die Umsätze im stationären Handel treten laut HDE auf der Stelle, gewachsen ist der Onlinehandel, real um 3,5 Prozent. Davon profitieren auch Anbieter wie Temu und Shein, deren Umsätze im zweiten Quartal um mehr als 20 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro stiegen. Das Forschungsinstitut IW Consult beziffert, was dem Handel dadurch entgeht, auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr. Die Zahl der Insolvenzen erreichte 2025 den höchsten Stand seit zehn Jahren, und der HDE erwartet, dass die Zahl der Geschäfte 2026 unter 300.000 sinkt.
Sparsame Kunden, weniger Kauflaune: was das für Ihren Laden heißt
Diese Zahlen stehen seit Monaten in den Nachrichten. Was dort fehlt, ist die Frage, was ein einzelner Händler dagegen tun kann. Gegen die Konsumflaute in Deutschland kommt er allein nicht an. Er kann aber dafür sorgen, dass die Kunden, die noch kaufen, bei ihm landen und nicht beim Mitbewerber oder bei einem Onlinehändler. Denn Verbraucher kaufen nicht nur weniger, sie kaufen auch anders. Die Konsumgewohnheiten haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert, und das trifft vor allem alle, die stationär verkaufen.
Für den einzelnen Laden heißt das: Viele Verbraucher gehen einkaufen nicht mehr so oft wie früher, und wegen der gestiegenen Preise der vergangenen Jahre vergleichen sie vorher im Netz. Über den Preis allein gewinnt ein Fachgeschäft diesen Wettbewerb gegen Discounter und Plattformen nicht. Kunden gewinnt, wer beim Vergleichen gefunden wird und einen Grund liefert, trotzdem in den Laden zu kommen. Hier stehen vier Maßnahmen, die ich bei Händlern einsetze, jeweils mit dem, was sie kosten, was sie bringen und ab wann sie wirken. Stand: Oktober 2026.
1. Das Google-Unternehmensprofil
Wer heute ein Geschäft sucht, sucht meist zuerst bei Google, oft mit dem Zusatz „in der Nähe“. Was dann oben in der Karte erscheint, entscheidet, wohin jemand fährt. Das Unternehmensprofil ist kostenlos, wird aber bei vielen Händlern einmal angelegt und dann vergessen. Falsche Öffnungszeiten, alte Fotos und unbeantwortete Bewertungen kosten genau die Kunden, die ohnehin kaufen wollen.

Google ordnet die lokalen Ergebnisse nach Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Relevanz und Bekanntheit können Sie beeinflussen: mit der passenden Hauptkategorie, aktuellen Fotos aus dem Laden, Beiträgen zu Aktionen und neuer Ware und mit Bewertungen, die Sie beantworten. Wie ich Profile pflege und messe, steht auf der Seite zum Google-Unternehmensprofil.
Kosten
Das Profil ist kostenlos. Die Pflege braucht ein bis zwei Stunden im Monat.
Bringt
Anrufe, Routenanfragen und Klicks auf die Website, sichtbar in der Statistik des Profils.
Ab wann
Erste Veränderungen nach einigen Wochen, je nach Wettbewerb in der Umgebung.
2. Google Ads auf Kaufabsicht
Nicht jede Suche ist gleich viel wert. Wer „Kaffeevollautomat Mühldorf“ oder „Kinderschuhe in der Nähe“ eingibt, will kaufen, und zwar bald. Auf solche Suchbegriffe mit Kaufabsicht lassen sich Anzeigen ausrichten, begrenzt auf den Umkreis, aus dem Ihre Kunden kommen. Allgemeine Begriffe wie „Kaffee“ oder „Schuhe“ lasse ich weg. Sie kosten Geld und bringen selten Käufer.
Für Händler mit einer Warenwirtschaft gibt es zusätzlich lokale Inventaranzeigen. Sie zeigen Produkte in den Regalen Ihres Geschäfts online an, mit dem Hinweis, dass sie vorrätig sind. Dafür braucht es ein Konto im Google Merchant Center und einen Datenfeed mit dem Bestand im Laden.
Kosten
Aus meiner Sicht ab etwa 300 Euro Klickbudget im Monat, dazu die Betreuung, bei mir 250 Euro für bis zu drei Kampagnen.
Bringt
Besuche und Anrufe von Menschen, die gerade nach Ihrem Angebot suchen.
Ab wann
Ab dem ersten Tag. Belastbare Zahlen nach etwa vier bis sechs Wochen.
Wie ich Kampagnen für Händler aufsetze, beschreibe ich unter Google-Ads-Betreuung.
3. Beilagen mit Weg ins Netz
Prospektbeilagen erreichen Menschen, die gerade nicht suchen, und sie wirken in der Region nach wie vor. Ihr Schwachpunkt ist die Messbarkeit: Wie viele Kunden wegen der Beilage kamen, weiß hinterher meist niemand genau. Das ändert sich, wenn jede Beilage einen Weg ins Netz hat.

Dazu gehört ein QR-Code, der auf eine eigene Aktionsseite mit genau diesen Angeboten führt. Der Link trägt einen Kampagnenparameter, damit GA4 die Besucher der Beilage zuordnet. Wer möchte, ergänzt einen Aktionscode, den das Personal an der Kasse abfragt. Für einen Elektrofachhändler aus der Region gestalte ich die Titelseiten seiner Beilagen und baue die passenden Aktionsseiten. So sieht er nach jeder Aktion, wie viele Menschen über den Prospekt auf die Seite gekommen sind.
Kosten
Druck und Verteilung je nach Auflage und Gebiet. Gestaltung und Aktionsseite nach Angebot.
Bringt
Reichweite bei Menschen, die nicht suchen, und Zahlen dazu, wie viele davon online weiterlesen.
Ab wann
Ab dem Verteiltag. Auswertung nach dem Ende der Aktion.
4. Ein Shop gegen die Abwanderung in den Onlinehandel
Ein Teil Ihrer Kunden kommt nicht mehr in den Laden, kauft aber weiter, nur eben online. Die Zahlen von Destatis zeigen, dass genau dieser Teil wächst, und bei Bekleidung oder Elektronik ist der Onlinekauf schon Standard. Ein eigener Shop holt diese Käufe zurück, ohne dass Sie gegen Amazon antreten müssen. Er muss nicht das ganze Sortiment zeigen. Für den Anfang reichen die Artikel, nach denen Kunden am häufigsten fragen.

Für lokale Händler ist die Abholung im Laden oft wichtiger als der Versand. Der Kunde bestellt abends, holt am nächsten Tag ab und kommt dabei wieder ins Geschäft. Ein Wix-Shop bietet die Abholung als Lieferoption an, und über das Google Merchant Center können die Produkte kostenlos in Google Shopping erscheinen. Mehr dazu unter Onlineshop erstellen lassen.
Kosten
Wix Studio Standard für Shops 23,80 Euro im Monat inkl. MwSt., die Erstellung nach Angebot.
Bringt
Verkäufe außerhalb der Öffnungszeiten und Abholer, die wieder in den Laden kommen.
Ab wann
Einige Monate, bis Kunden den Shop kennen. Schneller, wenn Profil und Beilage darauf verweisen.
Was wirkt, steht in den Zahlen
Ob eine Maßnahme wirkt, lässt sich messen. Alle vier messe ich bei Kunden laufend mit, und zwar mit vier Werkzeugen:
Rank Grid
Platz im Kartenbereich an vielen Punkten im Einzugsgebiet, jeden Monat.
Search Console
Wie oft die Website in der Suche erscheint und angeklickt wird.
Google Ads
Kosten, Klicks und Conversions je Kampagne.
Looker Studio
Alle Zahlen zusammen in einem Bericht.
Was wirkt, steht in den Zahlen, nicht im Gefühl. Das hat einen praktischen Vorteil: Nach einigen Monaten wissen Sie, welche der vier Maßnahmen bei Ihnen trägt, und können das Budget dorthin verschieben. Was nicht trägt, wird beendet.
Häufige Fragen
Warum gehen Umsätze und Nachfrage im Einzelhandel zurück?
Laut HDE halten viele Verbraucher ihr Geld zusammen, die Sparquote ist hoch, weil die Menschen unsicher in die Zukunft blicken. Dazu verlagert sich ein Teil der Käufe in den Onlinehandel, auch zu Anbietern wie Temu und Shein.
Welche Ideen gibt es, um den Umsatz im Einzelhandel zu steigern?
Vier Maßnahmen, die ich bei Händlern einsetze: ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, Anzeigen auf Suchbegriffe mit Kaufabsicht, Beilagen, die messbar ins Netz führen, und ein Shop für Kunden, die nicht mehr in den Laden kommen.
Wie können Einzelhändler auf die Kaufzurückhaltung reagieren?
Die Kaufzurückhaltung selbst ändert ein einzelner Laden nicht. Er kann aber dafür sorgen, dass die Kunden, die noch kaufen, ihn finden, und messen, welche Werbung tatsächlich Kunden bringt.
Welche Maßnahme sollte ich zuerst angehen?
In den meisten Fällen das Google-Unternehmensprofil. Es kostet nichts, ist schnell gepflegt und betrifft genau die Kunden, die in Ihrer Nähe suchen.
Ab welchem Budget lohnen sich Google Ads für einen Laden?
Aus meiner Sicht ab etwa 300 Euro Klickbudget im Monat. Darunter kommen meist zu wenige Klicks zusammen, um nach einigen Wochen zu beurteilen, was funktioniert.
Lohnt sich ein Onlineshop für kleine Händler?
Wenn Kunden regelmäßig nach bestimmten Artikeln fragen oder außerhalb der Öffnungszeiten kaufen wollen, ja. Mit Abholung im Laden bringt der Shop die Kunden zusätzlich wieder ins Geschäft.
Welche Maßnahme bei Ihnen greift
Nicht jede der vier Maßnahmen passt zu jedem Geschäft. Ein Fachhändler mit beratungsintensiven Produkten braucht etwas anderes als ein Modegeschäft in der Innenstadt, und ein Laden mit Stammkundschaft im Ort etwas anderes als einer, der von Laufkundschaft lebt.
Deshalb biete ich Händlern eine Bestandsaufnahme an. Ich sehe mir Ihr Unternehmensprofil, Ihre Website, Ihre bisherige Werbung und Ihr Einzugsgebiet an. Danach sage ich Ihnen, welche der vier Maßnahmen bei Ihnen greifen würde, in welcher Reihenfolge und mit welchem Budget, und welche Sie sich sparen können.
Bestandsaufnahme für Händler
Unternehmensprofil, Website, Werbung und Einzugsgebiet: Danach wissen Sie, welche der vier Maßnahmen bei Ihnen greift und welche Sie sich sparen können.

Quellen: HDE-Sommerumfrage, Bericht vom 14.07.2026 · dpa-AFX: Sparsame Kunden, viele Sorgen, 14.07.2026 · Statistisches Bundesamt: Einzelhandelsumsatz August 2026 · Google Unternehmensprofil-Hilfe: Ranking in lokalen Suchergebnissen.

Markus Hentschel, Inhaber von Inndigo in Waldkraiburg. Seit 2015 selbständig, Betreuung kleiner und mittlerer Unternehmen in Webdesign, SEO und Google Ads.
Geprüfte Qualifikationen: E-Commerce Manager (bevh) · SEO Professional (121 Watt) · gepr. Handelsfachwirt (IHK)
Nachprüfbar: Wix-Partnerprofil · Partner der IT-Recht Kanzlei · Profil bei kress


